Alte Musik / Early Music 

Ensemble Barockin'

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Musik im Schloss Sanssouci

J. S. Bach (1685-1750) traf den Preußenkönig Friedrich den Großen


J. S. Bach/ Triosonate aus ,,Das Musikalisches Opfer"

J. J. Quantz /Triosonate

F. Benda/ Sonate für Violine und B. c.

C. Ph. E. Bach/ 12 Variation

Friedrich der Große/ Sonate für Flöte und B.c.


,,Meine Herren, der alte Bach ist gekommen". Mit diesen Worten ließ Friedrich der Große im Mai 1747 die Ankunft Johann Sebastian Bachs in Potsdam verlauten. Der 62 jährige Thomaskantor, für den Preußenkönig ,,ein gigantisches Wundertier aus vergangenen musikalischen Zeiten" (Alfred Einstein), war in Schloß Sansouci eingetroffen. Der 35-jährige König, selbst ein Flötist, gab Bach ein Thema, über das er auf der Stelle eine 6-stimmige Fuge improvisieren sollte. Aber ,,wegen Mangels an der nötigen Vorbereitung" (Johann Nikolaus Forkel) kam es nicht dazu. Stattdessen komponierte Bach daraufhin einen stattlichen Werkkomplex, das ,,Musikalisches Opfer". Bereits Ende September desselben Jahres wurde das König Friedrich II. gewidmete Werk im Druck fertiggestellt.

Die ,,Sonata sopr'il Soggetto Reale a Traversa, Violino e Continuo" aus dem ,,Musikalischen Opfer" steht im Zentrum des unseres Programms. Darüber hinaus kommt Musik rund um den Berliner Hof zur Aufführung, der damals einen repräsentativen Ruf in ganz Europa besaß. Dazu zählen die Werke von C. Ph. E. Bach, J. J. Quantz oder F. Benda. Der als Kabarettist bekannte Florian Erdle führt als Moderator durch das sowohl informative als auch unterhaltsame Programm.

Presse

Donaukurier, 31.12.2012

Das Ensemble Barockin’ spielt Musik aus Schloss Sanssouci  

[In einem blauroten Gehrock mit weißen Spitzen, getreues 18. Jahrhundert – so präsentiert sich Flötenstar Emanuel Pahud auf seiner neuen CD. Als „Flötenkönig“: vom 300sten Geburtstag Friedrich des Großens hat dank dessen musikalischem Hobby hat auch der Klassikmarkt profitieren können. Allerdings ist auf all diesen Produktionen die moderne Böhmflöte zu hören, und auch Pahud hält so einen metallenen Anachronismus in den Händen. Jetzt aber bot das Silvesterkonzert des Ensemble Barockin’ im Stadtmuseum noch einmal die Gelegenheit, diese Musik in einem originalgetreuen Klangbild zu hören – auch wenn die Flötistin Kozue Sato weniger authentisch gewandet war. Dafür prangte nun eine Solosonate des komponierenden Königs in den schönen, samtigen Farben ihres Flauto traverso, geblasen nach der strengen Etikette der historischen Aufführungspraxis. Friedrichs melodischem Talent kam Sato mit weit geschwungenen, fließenden Phrasen entgegen und erweckte das Melos mit reichen Verzierungen und sprechendem Ausdruck erst richtig zum Leben.


Gänzlich unauthentisch, zum Glück, wirkte der charmant bajuwarische Akzent von Florian Erdle, der das Konzert moderierte. Der altpreußische Königshof, gesehen durch die Brille eines bayerischen Kaberettisten: Diese geradezu geniale Konstellation sorgte für ein Feuerwerk an Esprit und Ironie. Dabei berichtete Erdle höchst fundiert und kenntnisreich vom oft kuriosen Musikleben unter Friedrich II., von seinem Flöten-Guru Johann Quantz, von Hunden und haarigen Fugenthemen. Das Programm führte dann auch die Instrumentalmusik von Schloss Sanssouci in der entsprechenden Vielfalt vor die Ohren. Zunächst eine Triosonate von Quantz, die das Ensemble Barockin mit lebhaft-präzisem Zusammenspiel und luftig-transparentem, perfekt ausgewogenem Klang ins beste Licht rückte. Weniger gerne hätte Friedrich wohl den Follia-Variationen von C. P. E. Bach gelauscht, dessen impulsiv-sprunghafte Musik nicht dem königlichen Gout entsprach. Georg Staudacher am Cembalo spielte, technisch versiert, die extremen Kontraste zwischen schwermütigem Grübeln und neckischem Gehüpfe mit lakonischem Witz aus.


Wie hätte Friedrich über das Spiel von Dmitry Lepekhov geurteilt? Der markante, herbe Ton des Russen ist nicht unbedingt „schön“, aber er legt sehr viel Charakter hinein, eine fesselnde Vitalität, die eine Violinsonate von Franz Benda zu einer enorm spannenden Angelegenheit machte. So eine Persönlichkeit hätte der König wohl kaum neben sich geduldet! Wenig begeistert hätte ihn auch die Krönung dieses Konzertes: Die Triosonate aus J.S. Bachs „Musikalischem Opfer“. Obwohl für Friedrich entstanden, ist das äußerst anspruchsvolle Stück in c-Moll eher gegen als für die Traversflöte geschrieben – eine Plage für den Spieler. Hier erzwies sich Kozue Sato als „Flötenkönigin“: Ihr nach wie vor klarer und sauberer Ton floss ein in eine sehr durchdachte, detailliert ausgeformte, aber auch spontan mitreißende Interpretation. Begeisterter Beifall rauscht durch den restlos ausverkauften Barocksaal. Besser ist dieser Bach selten zu hören, und so ein interessant und unterhaltsam gestaltetes Konzert wird man auch nicht so schnell wieder erleben.]

(Jörg Handstein) 

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